- Wer waren Rut und Klaus Bahlsen – Namensgeber der Grundschule Uffing -

 

Klaus Bahlsen

Klaus Bahlsen (1908-1991) war jüngster Sohn des Gründers der Keksfabrik in Hannover, Herrmann Bahlsen. Der Vater starb früh, die Mutter erkrankte. Mit 22 Jahren, in einer Zeit wirtschaftlicher Bedrängnis (1930), trat Klaus B. in die Unternehmensleitung ein, der er bis 1988 angehörte. Seinem kreativen Spürsinn, seiner Fähigkeit rational und visionär zu handeln, verdankte das Unternehmen das Überleben der Vorkriegszeit und den Aufbau nach dem Krieg.

Zuständig für Entwicklung, Qualität und Herstellung schuf Klaus B. hervorragende Produkte aus hochwertigen Rohwaren. Dabei förderte er besonders Produkte im Sinne gesunder Ernährung. Im Alter von mehr als 70 Jahren erwog er noch ein ökologisch und ernährungswissenschaftlich streng orientiertes Backwarenunternehmen zu gründen. Gesichtspunkte der finanziellen Bilanz waren ihm zweitrangig.

Klaus B. sah sich als Verwalter der ihm anvertrauten Mittel. Das galt für soziale Einrichtungen im Unternehmen, für immaterielle und materielle Verantwortung, die er für Mitarbeiter übernahm, für Beistand, den er ohne Aufheben gewährte. Ihm war es ein Anliegen dank seiner Möglichkeiten Mitmenschen zu dienen.

 

Rut Bahlsen

Rut Bahlsen (1901-1988) stammte aus einer frommen Familie in Hudiksvall, Schweden. Der Vater Jägerström war Möbelhändler und Laienprediger. Als Studentin nach dem Ersten Weltkrieg in Wien, als Gesellschafterin der Prinzessin Chakuntala, Schwiegertochter des indischen Maharadschas von Boroda, lernte sie das Westeuropa der Zwischenkriegszeit kennen. Sie stellte sich Fragen nach dem Sinn des Lebens. Auch hinterfragte sie die Verquickung weltlicher Macht und Kirche.

Rut B. ist heute religionsphilosophisch anerkannt als Mystikerin. «Das Leben selbst  ist Gottesoffenbarung», «Gott ist die innerste Wirklichkeit alles dessen, das wirkt», «Die Seele ist die Kontaktstelle zum Göttlichen», «Die frohe Botschaft des Jesus von Nazareth hat uns noch nicht erreicht», «Die Liebe zu Gott ist die Liebe zu allem, das lebt», «Jede Blume ist mir voraus und offenbart Dich inniger und hingegebener», sind  Beispiele für die Aussagen von Rut.

Als sich Rut‘ und Klaus‘ Wege kreuzten, erkannte er in Rut den Menschen, der ihn in seiner Einstellung verstehen, unterstützen und fördern könnte. Beide waren sich einig, dass sie nicht zu einander, sondern durch einander zu sich selbst finden sollten. Beide verband eine innige spirituelle Gemeinschaft lebenslang, in der sie sich in völliger Offenheit austauschten und in ihrer je eigenen Persönlichkeit entfalteten.  

 

 

 

Bahlsens in Uffing

Rut und Klaus B. suchten nach dem Krieg über lange Zeit einen Ort, an dem sie der Natur verbunden, zurückgezogen und ohne Verpflichtungen gesellschaftlicher Art leben konnten. Der freie Blick vom oberen Weg am Sonnenstein auf Moor und die Voralpen entsprach ihnen. Rut B. erkannte hier Ähnlichkeit zu der ihr von Kindheit an vertrauten Landschaft in Hälsingland (Schweden). Bahlsens erwarben 1948 das Anwesen Sonnensteinstrasse Nr. 14 von Frau Hanfstaengel.

Von Uffing aus nahm Klaus die Leitung in Hannover wahr, unterstützt vor Ort in Hannover von Frau Lieselotte Fröde, welche als der Familie zugehörig zählte. Rut widmete sich schriftlichen Meditationen und dem gedanklichen Austausch mit Besuchern. Rut’s Mutter Lisa lebte bis zu ihrem Tode (1956) mit in Uffing. Sie ist in Hudiksvall begraben, Rut und Klaus in Uffing beigesetzt, ebenso Lieselotte Fröde.

Viele der damaligen Kinder in Uffing erinnern sich an Keksgeschenke. Kaum jemand ging mit leeren Händen vom Haus. Rut und Klaus halfen im Stillen und mit Zuwendungen an Vereine und die Gemeinde. Vor allem kraft seiner Persönlichkeit, Ausstrahlung und zugleich Bescheidenheit wurde Klaus B. Ehrenbürger von Uffing.

Die Stiftung

Schon 1972 gründeten Rut und Klaus B. die nach ihnen benannte Stiftung, fast 20 Jahre lang von K.B. selbst geprägt. Aufgaben der Stiftung sind Förderung von Ökologie, Naturheilkunde und generell die Lebensbedingungen von Menschen. Dazu gehören auch Kindergärten, Schulen und Altenheime. Vor allem aber ist die Erziehung des Menschen zu Spiritualität und Kreativität der Stiftung aufgetragen. Geographisch besonders berücksichtigt werden sollten Hannover und (an zweiter Stelle) Uffing.

Die Stiftung erbte testamentarisch das gesamte Vermögen des Ehepaares Bahlsen, einschließlich des von Rut B. verfassten Schriftgutes, ebenso das Anwesen Sonnensteinstraße 14. Es wurde veräußert. Derzeit (2012) beträgt das Stiftungsvermögen ca. Euro 80 Millionen, gestiftet werden jährlich ca. Euro 2 Millionen. Gelder der Stiftung kamen auch immer wieder der Klaus-Bahlsen Grundschule in Uffing zu Gute. Das letzte große Projekt, das unterstützt wurde, war der Umbau des Schulgeländes in eine kindgerechte Pausenhofanlage Dafür recht herzlichen Dank.

Die Schüler und Schülerinnen der Grundschule Uffing haben im Sommer 2012 ein Portrait über Klaus Bahlsen zusammengestellt, das in der Schule für 4 Euro erworben werden kann.

 

 www.rut-und-klaus-bahlsen-stiftung.de